Review: Zalman ZM-VE400 2,5 Zoll Festplattengehäuse mit Virtuellem BD-Laufwerk

Hallo Leser/innen,
erst einmal wünsche ich euch fröhliche Weihnachten nachträglich und einen guten Rutsch vorträglich. Aber nun zum eigentlichen Thema.
Heute stelle ich euch das 2,5 Zoll Festplattengehäuse ZM-VE400 von Zalman, zu Kaufen beispielsweise hier, vor. Eine englische Beschreibung des Herstellers findet ihr dort. Und dennoch noch einmal kurz:

1. Was ist das überhaupt?

Wer den Preis sieht schluckt und denkt sich, es handelt sich hierbei nur um ein einfaches 2,5 Zoll Gehäuse für externe Festplatten, vermutlich mit Gold lackiert, wenn man die 61 €, die es kostet, in Betracht zieht. Das stimmt, aber nur teilweise. Hier ein paar Randinformationen, bevor wir zu der Attraktion kommen:

* Es unterstützt tatsächlich 2,5 Zoll Festplatten zum Einbau und das sogar sehr einfach, sodass ein Blinder keine Schwierigkeiten hat, eine Festplatte einzustecken.
* eingesteckt werden können SATA/SATA II Festplatten.
* ein mitgeliefertes Kabel garantiert USB 3.0 Geschwindigkeit (der an der Festplatte einzusteckende Anschluss ist eine USB 3.0-Lösung, die ich bisher nur von Seagate-Platten kannte und, zumindest bei mir, sehr anfällig ist. Stecke ich ein solches Kabel einer Seagate-Platte beispielsweise während des laufenden Betriebes an meinen Rechner an (mit mehreren Rechnern probiert), passiert es häufiger, dass mein interner USB-Hub kurz aussetzt, woraufhin alle USB-Geräte kurz abgemeldet und dann wieder angemeldet werden. Gesund kann das nicht sein. Bei diesem Gehäuse ist mir das bisher allerdings nicht passiert)
* ein stylisches Leder-Case ist im Umfang enthalten.
* außerdem im Umfang enthalten sind zwei Minifurz-Schrauben zum Verschrauben des Gehäuses (bekannt von so ziemlich allen 2,5 Zoll Gehäusen) und ein passender Schraubenzieher (danke hierfür an Zalman!)
* die Oberseite des Gehäuses ziert, für Blinde unfühlbar, ein Touchpad zur Eingabe von Zeichen und Bedienen der Funktionen des Gehäuses

Bis jetzt ein ganz simples und noch dazu überteuertes Gehäuse, oder? Keinesfalls!
Das ZM-VE400 ist nämlich ein Mini-Computer. Es unterstützt folgende- maßgebliche Funktionen:

* Emulierung virtueller BluRay-Laufwerke
* Verwaltung von Festplatten mit Hardware-Verschlüsselung
* Bereitstellung festplattenrelevanter Informationen (S.M.A.R.T.)

Vor Allem die Emulierung der virtuellen BluRay-Laufwerke ist etwas Spezielles. Welcher Informatiker kennt es nicht: ein Computer hat prinzipiell mindestens 2 Funktionen, um Systeme zu booten: von Festplatte oder von externen Datenträgern. An externen Datenträger unterstützt jedes System mindestens Floppy, aber da gehen uns langsam die Leser für aus. Kein Wunder ;). Die nächste Option sind CD-Laufwerke. Von dem Fakt mal abgesehen, dass Netbooks davon auch schon keines mehr haben, fällt hier dennoch der ständige optische Verschleiß an. Eine neue Version einer Live-CD? Wer keine RWs besitzt, braucht einen neuen Rohling. Und glaubt mir, selbst mit RWs stresst das ständige neu Brennen auch irgendwann extrem. Die dritte Option wäre schließlich USB, aber auch das ständige neu einrichten von USB-Sticks mittels beispielsweise Unetbootin ist aufwändig und unnötig. Zumindest jetzt, seid dem ZM-VE400.

2. Das Einrichten

Dazu gehört tatsächlich weniger als Gedacht. Platte rein, Kabel ran, angesteckt, fertig. Das Gerät steht tatsächlich standardmäßig auf „Dual Boot“, was bedeutet, dass am Computer gleichzeitig ein leeres BD-RE-Laufwerk und eine Festplatte sichtbar sind. Wobei die Festplatte bei mir noch fehlte, denn ich habe eine frische Samsung M8 HN-M500MBB eingebaut, die ich im Übrigen auch empfehlen kann: schnelle Startzeit, kaum hörbar, fixe Leseraten, aber das ist nur Nebensache. Jedenfalls war diese Platte noch nicht partitioniert, weshalb auch nichts zu sehen war. Und da ich gerade kein Linux greifbar hatte, habe ich kurz diskpart von Windows genutzt und mal etwas aus meiner Platte gemacht:

list disk
select (in meinem Fall 3)
create partition primary
format fs:ntfs quick
assign letter: (in meinem Fall J)
exit

Soviel zur Einrichtung, das wars. Unter J: liegt jetzt die Platte, die den vollen Speicher der im Gehäuse befindlichen Platte bietet, wie üblich.

3. Nutzung des Laufwerk-Features

3.1 Die Grundlagen

Wie bereits oben erwähnt löst dieses spezielle Feature des ZM-VE400 sämtliche unserer CD- und Stick-Probleme, denn es unterstützt die Möglichkeit, CD-Abbilder in einen speziellen Ordner auf der Festplatte zu kopieren und diese anschließend von der Platte aus in das virtuelle Laufwerk einzubinden. Tatsächlich ist dieses virtuelle Laufwerk auch vom BIOS oder UEFI aus ansteuerbar und bootbar, so das Gerät am Rechner beim Bootvorgang angeschlossen ist.
Bisher stand auf der Platte eine generelle Übersicht, die folgende Informationen lieferte:

USB xx (20 für USB 2.0 und vermutlich 30 für USB 3.0, habe ich allerdings noch nicht getestet)
1. Partition: 0

Diese Information sagt einem, dass die Platte die erste Partition der in ihr verbauten Platte nicht finden konnte. Dies könnte folgende Gründe haben:
* Es gibt keine ;). Dies war in meinem Fall so. Einfach ein mal partitionieren, wie oben beschrieben, und fertig.
* Man hat in einem für die Platte unleserlichen Dateisystem partitioniert: Die Platte unterstützt von Haus aus nur einige wenige Systeme: NTFS, exFAT, FAT32 und FAT. FAT32 und FAT sind aufgrund der Dateigrößenbeschränkung nicht zu empfehlen, weshalb man NTFS oder exFAT wählen sollte. Hier sollte man nun richtig lesen:

3.2 Nutzung mit NTFS

In meinem Fall war die neueste Firmware für die Nutzung mit NTFS bereits aufgespielt. Dies wusste ich allerdings nicht, weshalb ich vorsichtshalber einfach noch einmal die neueste Firmware installierte. Dazu gibt es auf der oben genannten Homepage des Herstellers die NTFS-Firmware zum Herunterladen. Das Gerät einfach anschließen, die Datei ausführen und auf „Update“ klicken. Dann einen Moment warten. Nach Abschluss des Vorganges das Gerät abziehen und neu anschließen. Taucht nun ein „Flashing, please wait“ mit blinkendem Bildschirm auf, so wird die neueste Firmware eingerichtet. Lasst das Gerät einfach eine Weile in Ruhe, dies kann bis zu 30 Sek. dauern. Anschließend wird NTFS in vollem Umfang unterstützt. Sollte dieser Bildschirm gar nicht erst auftauchen, ist bereits die aktuellste Firmware installiert.

3.3 Nutzung mit exFAT/FAT32/FAT

Hier folgt im Prinzip das gleiche Prozedere: Firmware herunterladen, Datei ausführen, Updaten, Abziehen, Anstecken und warten.

3.4 Toubleshooting

Bei mir gab es ein Problem: nachdem nämlich die erste Aktualisierung keine Früchte trug, versuchte ich es erneut und veranlasste das Gehäuse dabei zum Freeze. Ich dachte schon, ich hätte 60 € in den Sand gesetzt, da fand ich die Lösung aller Probleme ;). Es gibt nämlich einen Reset-Knopf. Man nehme also die Platte an der Unterseite des Gehäuses ab und öffne es. Dort, an der Seite mit dem Kabelanschluss, befindet sich ein kleiner runder Knopf an der Innenseite des Gehäuses. Diesen halte man nun gedrückt, während man das Gerät an den Rechner ansteckt. Das Display wird wie verrückt blinken und der Rechner wird die Platte die ersten Sekunden nicht finden, aber nach relativ kurzer Zeit wird alles wieder im Lot sein.

3.5 Einbinden von Dateien

Nach mehrfachem Abstecken und anstecken und hoffentlich korrekt eingerichteter Firmware sollte sich auf dem Display nun folgende Information befinden:

No _ISO Folder

Dies ist auch schon so ziemlich alles, was wir wissen müssen: auf der Platte muss ein Ordner namens _ISO angelegt werden. Dort werden dann einfach alle ISO-Dateien hineinkopiert, die später einbindbar gemacht werden sollen. Man soll hier auch VHD-Dateien, also virtuelle Festplatten, einbinden können, dies habe ich allerdings nocht nicht versucht.
Und ja, solche Images sind von sich aus angeblich auch bearbeitbar, man kann also beispielsweise ein Betriebssystem live booten und im Image, also auf der im Betriebssystem befindlichen Hauptpartition, Daten ablegen, die dann von dem Gehäuse einfach mit in das Image gepackt werden. Außer man aktiviert die ebenfalls im Gehäuse integrierte Schreibschutz-Funktion.
So, nun haben wir eine, oder mehrere, ISO-Dateien im _ISO Ordner. Nun stecke man die Platte ab und wieder an. Jetzt werden auf dem Übersichtsschirm alle ISO-Dateien gezeigt. Man bestätige eine davon und drücke die Zahl 5 auf dem Touchpad. Die Datei wird nun in das Laufwerk eingehängt. Durch erneutes Drücken wird sie wieder ausgehängt. Sehr praktisch also, denn somit kann man alle notwendigen Images auf einem Datenträger mit sich führen. Und sämtliche Versuche, Multiboot-USB-Sticks zu erstellen scheiterten meist an unzureichender Software, beispielsweise GRUB2, welches allerdings ein Bootsystem wie Syslinux oder Isolinux benötigt, was bei Windows-Datenträgern allerdings garantiert nicht vorhanden ist.

3.6 Mode-Selection

Über das Menü kann man nun auf der Platte auch die Mode-Selection auswählen, wo momentan der Dual Mode ausgewählt ist. Andere Optionen hier sind:
* HDD Mode: Ausschließlich die Festplatte als Datenspeicher wird beim System angezeigt
* ODD Mode: Ausschließlich das Laufwerk wird beim System angezeigt

4. Hardwareverschlüsselung

Hierzu kann ich nicht viel sagen, da ich es noch nicht getestet habe. Allerdings kann dies über den Punkt „Encryption“ des Platten-Menüs gesteuert werden.

5. Kleine Verbesserungswünsche

So an sich habe ich an dem Gehäuse nichts zu verbessern, alle Funktionen funktionieren tadellos. Das einzige Problem ist wohl das Touchpad. Es ist wohl sehr unflüssig zu bedienen, teilweise reagiert es nur begrenzt oder gar nicht, sodass man mehrere Anläufe für eine Geste benötigt. Dies könnte noch verbessert werden.

6. Hinweise für Blinde

Wenn dies eine mit Blindheit geschlagene Person gelesen hat wird diese sich sicherlich fragen, wie man denn das Touchpad bedienen können soll. Ja, dies geht ohne sehende Hilfe tatsächlich nicht, oder höchstens eingeschränkt. Allerdings habe ich meistens, wenn ich dieses Gerät nutze, jemand Sehenden dabei. Und diese Person muss ja von der Materie nichts verstehen, sondern nur tippen. Und falls man doch eine günstigere und zumindest halbwegs bedienbare Lösung sucht, schaue man sich einfach die Vorgängerversion, dass ZM-VE300 an. Dieses unterstützt zwar keine Hardwareverschlüsselung, besitzt aber dafür auch noch haptische Schalter, auch wenn diese wohl recht billig verarbeitet sein sollen. Dafür spart man hier aber knappe 20 €.

7. Fazit

Ich bin mit dem Produkt voll zufrieden und kann es nur weiterempfehlen, seinen Dienst tut es jedenfalls tadellos. Für einen Informatiker, der häufiger mit Neuinstallationen von Betriebssystemen betraut wird, ein MUSS.

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